Annemarie

 

DIE TJALK – DAS SCHWESTERSCHIFF DES  EWERS

Die Tjalk gilt als Rundschiff. Auch sie wurde aus der Kogge entwickelt für die Zwecke der Binnen- und Küstenschifffahrt.  Als eigenständiger Typ tritt die Tjalk im 18. Jahrhundert auf, gekennzeichnet durch flachen, breiten, fast vierkantigen Boden, schwach gebogenen Vordersteven, fast senkrechten geraden Achtersteven, gerade Seiten und formvollendete Rundungen vorn und achtern. Tjalken besitzen nur einen Mast, der früher jederzeit umlegbar war. Die Binnenschiffe hatten zudem kurze breite Schwerter.

Von dort zogen die Schiffe durch holländische Binnengewässer, drangen aber auch bis Dänemark vor. Um 1790 wurden Tjalken erstmals in der Lühemündung gesichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts fertigte man in den Niederlanden Tjalken an, die statt eines Roof ein glattes durchgehendes Deck aufwiesen. Sie wurden in Holz und in Eisen gebaut. Bis in die 20er Jahre war die Tjalk das meist verbreitete Küstenfahrzeug. Die Tjalk „Falke“ war im Hafen Borstel beheimatet.

Die Tjalk „Annemarie“ wurde 1893 in Echten auf der Werft des Jan Jans Bos für den Linienschiffer Jakob Fokkema aus Sneek gebaut und erhielt außer einer Segeleinrichtung auch einen 26PS Motor. Es war eine der ersten Tjalken welche Bos aus Eisen baute, bisher hatte er nur Holz verarbeitet und es war eine der ersten Tjalken die auch einen Motor erhielt. Die Vermessungsnummer ist S 1078 N, der Taufname war 1893 „Twee Gebroeders“ und bezog sich auf die beiden Söhne von Jakob und Hinke Fokkema.

Am 16. Juli 1925 verkaufte der damalige Eigner Sjoerd van der Meer die Tjalk an den Landwert Johann Barfels in Borstel-Höhen im Alten Land für den Obsttransport nach Hamburg. Der Name der Tjalk war jetzt „Frieda“

Am 20.Nov.1938 wurde die „Frieda“ als Fischereifahrzeug nach Keitum/Sylt an Carl Ingver Holst verkauft und auf den Namen „Annemarie“ getauft und registriert. Von dort wechselte sie 1955 in den Besitz des Fischers Bruno Diekmann in Wyk / Föhr, Fischereizeichen WYK 3. 1964 kaufte die Baufirma Ficke & Co. die „Annemarie“ als Transportschiff für Sand und Steine und verkaufte sie 1971 an die Firma Heinrich Hirdes in Duisburg, für den Hafen- und Deichbau in Hamburg und an der Nordseeküste.

Bereits nach einem Jahr, 1972 wurde die „Annemarie“ von dem Wasserschutzpolizisten Claus Vogel gekauft und als Sportfahrzeug umgebaut und ausgerüstet. Im Jahr 1982 kaufte Dr. Robert Winkler und seine Frau Angelika Haub-Winkler aus Hamburg die „Annemarie“ und bauten das Schiff wieder komplett als Segelfahrzeug um, die Maschine blieb jedoch ebenfalls an Bord. Dr. Carlo van Bernem aus Bendwisch erwarb das Schiff 1987 als Berufsfahrzeug, rüstete es mit 9 Schlafstellen für Wissenschaftler und Personal aus und hat damit z.B. zweimal das gesamte deutsche Wattenmeer biologisch kartiert. Gelegentlich diente die „Annemarie“ auch als Quartier für Kunststudenten der Klasse von Prof. Glasmacher  auf der Außenalster. 2007 wurde das Schiff vom Verein Borsteler Hafen erworben. Der Name„Annemarie“ wurde, wie 1938 getauft, nie im Register geändert. Die Taufpatin Annemarie Holst lebt 2009 immer noch als 90-jährige in ihrem Haus in Keitum - Archsum / Sylt.